Bewegungsprogramm für ältere Menschen wird zum TV-Hit

Als im März 2020 die Auswirkungen der Corona-Pandemie spürbar wurden, hatte das auch Einfluss auf die Arbeit im Amt für Gesundheitsvorsorge. Schnell wurde klar, dass die Pandemie den Alltag vieler Bürgerinnen und Bürger und damit auch von älteren Menschen verändert.

Neue Situation erfordert alternative Angebote

Was braucht es, um in dieser Krisensituation gesund zu bleiben? Wie kann das Amt für Gesundheitsvorsorge zum Beispiel Seniorinnen und Senioren unterstützen? Vor diesem Hintergrund wurde «Bliib fit – mach mit!» ins Leben gerufen. Die Fernsehsendung für ältere Menschen animiert mit einfachen Turnübungen zur Bewegung in den eigenen vier Wänden. Geleitet wird die Sendung von Bewegungstherapeutin Ursula Meier Köhler, die beim Amt für Gesundheitsvorsorge das kantonale Programm «StoppSturz» leitet.

Fanpost und Verlängerung bis Ende November 2020

Ursprünglich waren drei Episoden pro Woche geplant, dies während eines Monats. Das Bewegungsprogramm avancierte aber schnell zum Publikums-Hit und bekam viele positive Rückmeldungen. Deshalb wurde die Ausstrahlung stetig verlängert und inzwischen ist klar, dass «Bliib fit – mach mit!» bis Ende November 2020 weitergeführt wird. Die Sendung ist jeweils Montag und Freitag um 10:00 Uhr zu sehen, die Wiederholungen an den Folgetagen.

Ursula Meier Köhler im Gespräch

Im Gespräch erklärt Ursula Meier Köhler das Erfolgsrezept von «Bliib fit – mach mit!».

Ursula, wie konnte die Sendung so schnell realisiert werden?

Die Lancierung von «Bliib fit – mach mit!» ging wirklich ganz schnell! Wir hatten an einem Dienstag im März das letzte Meeting bei uns im Amt für Gesundheitsvorsorge zu diesem Thema, am Donnerstag erfolgten bereits Probeaufnahmen und am folgenden Montag war der erste Drehtag. Möglich war das nur, da alle Beteiligten vom Amt über den Kanton bis zum TVO am gleichen Strick gezogen haben. Wesentlich dabei waren die unkomplizierten und kurzen Kommunikationswege – ohne Mithilfe aller wäre das so nicht möglich gewesen.

Mit welchem Ziel wurde die Sendung ins Leben gerufen? Was waren die Hintergründe?

Körperliche Inaktivität ist einer der grössten Risikofaktoren für chronische Erkrankungen. Zudem geht der Muskelabbau rasant schnell und ist gerade für ältere Menschen nur sehr schwer wieder aufzuholen. Aus diesem Grund war es für uns klar, dass es ein Bewegungsprogramm für zu Hause braucht während des Lockdowns. Unser Ziel war ein qualitativ hochstehendes Bewegungsprogramm, an dem alle ohne Hilfsmittel (ausser derjenigen aus dem eigenen Haushalt) teilnehmen können, um möglichst viele Menschen zum Mitmachen zu bewegen.

Für mich persönlich war es zudem wichtig, dass zu zweit vorgeturnt wird, damit die Menschen wirklich «teilnehmen» können und das Setting nicht allzu «therapeutisch» wirkt. Menschen sollten sich dadurch weniger einsam fühlen und gleichzeitig ihre Fitness stabilisieren oder sogar aufbauen. Ein wesentlicher Aspekt bei den Sendungen ist ganz generell auch die Freude der Zuschauerinnen und Zuschauer an der Bewegung.

Konntest du die Ziele erreichen, die du dir gesetzt hattest?

Gemäss den Einschaltquoten konnten wir viele Menschen zu Hause erreichen. Zudem haben wir über 100 persönliche Rückmeldungen von Seniorinnen und Senioren erhalten. Diese haben uns bestätigt, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer tatsächlich eine spürbare Verbesserung in ihrem Alltag bemerken. Immer wieder erhielt ich auch die Rückmeldung, dass die Sendung vor allem während des Lockdowns ein wesentlicher Fixpunkt im Alltag war, der durch die Kontaktbeschränkungen häufig sehr einsam ausfiel. Die vielen positiven Rückmeldungen zeigen uns, dass wir mit dem Bewegungsprogramm ein Bedürfnis abdecken konnten, dass noch über Corona hinausgeht.

Welchen Einfluss hat die Sendung deiner Meinung nach auf die Seniorinnen und Senioren?

Die Sendung bringt viel Freude – und zwar nicht nur an der Bewegung, sondern auch an der Teilnahme ganz generell. Die älteren Menschen erleben trotz der schwierigen Corona-Zeit auch positive Momente und freuen sich auf die gemeinsame Bewegungszeit vor dem TV. Die meisten fühlen sich durch die Sendung verbunden – eine richtige Gemeinschaft eben, auch wenn alle zu Hause vor dem eigenen Bildschirm mitmachen.

Inwiefern hat «Bliib fit – mach mit!» auch deinen Alltag verändert?

Ich bin dankbar, dass ich meine Erfahrung und mein Wissen der letzten Jahrzehnte so einsetzen und damit Menschen auf einfache Art und Weise helfen kann. Für mich persönlich heisst es aber auch, dass ich einen zusätzlichen Job habe, den ich zwar sehr gern mache, der mich aber auch sehr fordert.

Wirst du nun von Zuschauerinnen und Zuschauern auf der Strasse erkannt?

Immer wieder, obwohl ich damit überhaupt nicht gerechnet hätte! Das Schöne ist vor allem, dass mir die Menschen immer mit einem Lächeln begegnen und ich die Freude in ihren Augen sehe.

Was muss passieren, dass die TV-Sendung nachhaltig wirkt und allenfalls auch noch im nächsten Jahr fortgeführt werden kann?

Das Bedürfnis für ein Bewegungsprogramm zu Hause ist ganz klar vorhanden und wird es auch über dieses Jahr hinaus bleiben. Die finanziellen Mittel für die Sendung sind aber aktuell nur noch bis Ende November vorhanden – über eine weitere Finanzierung muss in den nächsten Monaten nachgedacht werden. Ich hoffe, mit «Bliib fit – mach mit!» noch vielen Menschen die Bewegung zu Hause ermöglichen zu können und würde mich sehr über eine Fortführung über diese Jahr hinaus freuen.

Alle Sendungen finden Sie online auf: http://sg.ch/bliibfit

Foto: GRIPS

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