Projekt «Rauchfreie Spielplätze» in Wil lanciert

Zigaretten auf Spielplätzen können tödliche Folgen haben
Auf vielen Spielplätzen im Kanton St.Gallen finden sich Abfälle von gerauchten Zigaretten. Das ist nicht nur unschön, sondern kann für spielende Kinder gefährlich werden. Ein Präventionsprojekt will nun Schluss machen mit dem Rauchen auf Spielplätzen.

«Schon ein Zigarettenstummel kann ein Kleinkind vergiften, wenn es diesen verschluckt», sagt Ursula Drechsler von der Lungenliga St. Gallen Appenzell. Auf dem Spielplatz Weierwise in Wil hat sie zusammen mit einer Mitarbeiterin einen Infostand rund um das Thema Rauchen aufgebaut. Dieser war Teil des Eröffnungsnachmittags «Rauchfreie Spielplätze» der Stadt Wil vom 17. August 2019. Im Rahmen des kantonalen Tabakpräventionsprogramms lancierte die Fachstelle Suchtprävention des Gesundheitsdepartements des Kantons St. Gallen das Projekt «Rauchfreie Spielplätze». Ziel des Projekts ist es, Gemeinden für das präventive Vorhaben zu gewinnen und damit einen Grossteil der Spielplätze im Kanton St. Gallen rauchfrei zu machen. Die Umsetzung geschieht nicht über dafür geschaffene Gesetze, sondern über Sensibilisierungsmassnahmen. Eine bunt gestaltete Hinweistafel weist Besuchende auf die rauchfeie Zone hin, ohne belehrend zu wirken. Darauf zu sehen sind spielende Kinder, ein Rauchverbotszeichen sowie die Überschrift «Danke, dass Sie hier nicht rauchen».

Recht auf Gesundheit und eine intakte Umwelt
Die Stadt Wil ist eine der ersten Gemeinden in St. Gallen, die sich für rauchfreie Spielplätze entschieden haben. Die Stadt St. Gallen hat bereits drei solcher Tafeln aufgestellt und auch die Gemeinde Lütisburg hat einige bestellt. Am Eröffnungsnachmittag auf dem Spielplatz Weierwise in Wil zeigte sich, weshalb solche Tafeln dringend nötig sind: Der Kiesplatz und die Wiese rund um die Picknick-Tische waren mit Zigarettenstummeln übersät. «Die Zigarettenstummel sind aber nur ein Problem», sagt Jolanda Welter Alker von der Fachstelle Suchtprävention ZEPRA. «Vielen ist nicht bewusst, dass Kinder auch draussen dem Passivrauchen ausgesetzt sind.» Ausserdem hätten Erwachsene für Kinder eine Vorbildfunktion. «Die Spielplätze sind für die Kinder. Zigaretten gehören da definitiv nicht hin.»
Dieser Meinung ist auch Marc Bilger, Leiter des Departements Soziales, Jugend und Alter der Stadt Wil. Er verweist auf die Schweizer Kinderrechte, die das Recht auf Gesundheit und eine intakte Umwelt beinhalten. Für ihn sei sofort klar gewesen, dass die Stadt Wil das Projekt «Rauchfreie Spielplätze» unterstützen wolle, sagt Bilger und fügt an: «Aber eigentlich finde ich es erstaunlich, dass es überhaupt ein solches Projekt braucht. Es sollte selbstverständlich sein, dass man auf einem Spielplatz nicht raucht.»

Rauchfrei dank sozialer Kontrolle
Im Kanton St. Gallen gibt es kein gesetzliches Rauchverbot auf öffentlichen Spielplätzen. Umso wichtiger ist es laut Jolanda Welter Alker, dass die Gemeinden nun aktiv werden. Die Forderungen nach rauchfreien Spielplätzen nähmen schweizweit zu. Die Stadt Chur hat beispielsweise bereits 2008 ein Rauchverbot auf öffentlichen Spielplätzen eingeführt. In mehreren Kantonen laufen ähnliche Bestrebungen. Im Kanton Aargau etwa haben im vergangenen Jahr einige Gemeinden angefangen, das Rauchverbot auf speziellen Tafeln zu kommunizieren. Allerdings können im Aargau wie auch in St. Gallen Personen nicht gebüsst werden, die trotz der Verbotstafeln auf Spielplätzen rauchen.
Marc Bilger von der Stadt Wil ist überzeugt, dass die Hinweistafeln wirken. «Sie funktionieren wie eine soziale Kontrolle. Wenn man jemanden auf dem Spielplatz rauchen sieht, kann man ihn auf die Hinweistafel aufmerksam machen. Das ist wirkungsvoller als eine Busse», sagt er. In Wil stehen die Tafeln nicht nur auf dem Spielplatz Weierwise, sondern auch auf jenen im Bergholz, Städeli und an der Gallusstrasse.

Rauch in anderer Form
Mittlerweile haben sich auf dem Spielplatz Weierwise einige Familien eingefunden. Am Stand der Lungenliga St. Gallen Appenzell pusten die Kinder in den Luftikus. Es handelt sich dabei um einen Clown, in den man über eine Apparatur hineinpusten kann. Danach leuchten die Jackenknöpfe in verschiedenen Rot- und Grüntönen, je nachdem wie gut das Lungenvolumen ist. Ursula Drechsler von der Lungenliga St. Gallen Appenzell spricht mit den Erwachsenen. Sie erklärt, dass die Giftstoffe in den Zigaretten auch über die Hände und Kleider aufgenommen werden und sich durch Berührungen auf Spielsachen und Kinder übertragen. «Das ist für Kinder genauso schädlich wie Passivrauchen», sagt sie. Rauchenden Eltern empfiehlt sie unter anderem, beim Rauchen draussen immer eine Raucherjacke zu tragen und darauf zu achten, dass diese nicht mit den Kindern in Berührung kommt.
Auf der anderen Seite des Spielplatzes brennt mittlerweile ein Lagerfeuer. Die Kinder grillieren auf Holzstecken Schlangenbrot. «Das Feuer ist mein Highlight am heutigen Tag», sagt Marc Bilger. Die Botschaft sei klar: «Da ist Rauch auf dem Spielplatz, aber in anderer Form.» Dann ergänzt er: «Und natürlich freue ich mich darüber, dass wir mit den Tafeln des Projektes «Rauchfreie Spielplätze» das umgesetzt haben, worüber wir in der Stadt Wil schon länger diskutiert haben.»

Angebot von ZEPRA zu rauchfreien Spielplätzen

Zurück