Hitzeschutz gemeinsam umsetzen

Der Hitzeaktionsplan im Sommer 2026

Vom Informationsmaterial über die Zusammenarbeit mit Apotheken bis zur langfristigen Hitzeanpassung in Gemeinden: Der kantonale Hitzeaktionsplan wird auf verschiedenen Ebenen umgesetzt und laufend weiterentwickelt. Ein Rückblick auf die Aktivitäten im Sommer 2026 zeigt, wo der Kanton gemeinsam mit seinen Partnern ansetzt.

Der Sommer 2026 war von mehreren ausgeprägten Hitzeperioden geprägt. Besonders aussergewöhnlich war die Hitzewelle in der zweiten Junihälfte, die MeteoSchweiz als historisch einordnet. In den tiefen Lagen der Schweiz reihten sich zwölf Hitzetage aneinander; an mehreren langjährigen Messstationen wurden Rekorde erreicht. Auch im Kanton St.Gallen wurden während der Hitzeperioden sehr hohe Temperaturen, zahlreiche Hitzetage und Tropennächte registriert.

Hitze kann die Gesundheit erheblich belasten und auch tödlich sein. In der Schweiz werden jedes Jahr mehrere hundert Todesfälle auf Hitze zurückgeführt. Auch während der Hitzewelle Ende Juni 2026 zeigte sich in der Schweiz erneut eine erhöhte Sterblichkeit bei Menschen über 65 Jahren.

Besonders gefährdet sind unter anderem ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere sowie Menschen mit Vorerkrankungen. Eine gute Vorbereitung auf hohe Temperaturen und längere Hitzeperioden ist deshalb zentral. Mit dem kantonalen Hitzeaktionsplan stärkt der Kanton St.Gallen gemeinsam mit Gemeinden, Fachorganisationen und weiteren Partnern den Schutz der Bevölkerung vor den gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze.

Mehr als Information und Verhaltenstipps

Der Hitzeaktionsplan des Kantons St.Gallen wurde 2025 lanciert und wird laufend weiterentwickelt. Er ist als Umsetzungs- und Entwicklungsprozess angelegt: Neben Information und Sensibilisierung gehören dazu die Zusammenarbeit mit einem wachsenden Netzwerk von Partnern, die Entwicklung praxistauglicher Grundlagen sowie die schrittweise Verankerung des Hitzeschutzes in bestehenden Strukturen und Prozessen.

Die Massnahmen setzen auf verschiedenen Ebenen an. Menschen sollen wissen, wie sie sich selbst und andere schützen können. Fachpersonen und Organisationen sollen sich auf Hitzeperioden vorbereiten und geeignete Schutzmassnahmen umsetzen können. Gleichzeitig geht es darum, Hitzeschutz langfristig in Gebäuden, Siedlungen, öffentlichen Räumen und bestehenden Planungsprozessen zu berücksichtigen. Welche Massnahmen weiterentwickelt oder neu umgesetzt werden, orientiert sich insbesondere an Erfahrungen und Bedürfnissen aus der Praxis. Wissenschaftliche Erkenntnisse, Erfahrungen anderer Kantone und Fachstellen sowie Evaluationen fliessen ebenfalls in die Weiterentwicklung ein.

Neue Informationen und Hilfsmittel

Für den Sommer 2026 wurden die Informationen und Hilfsmittel für unterschiedliche Zielgruppen erweitert. Neu stehen unter anderem Broschüren für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Gemeinsam mit der IG Sport wurde eine Checkliste entwickelt, die Sportvereine dabei unterstützt, sich auf Hitze vorzubereiten und Training, Wettkämpfe und Veranstaltungen entsprechend zu planen.

In Zusammenarbeit mit Pro Senectute entstand zudem eine Checkliste für Kursanbietende. Sie unterstützt dabei, den Hitzeschutz frühzeitig in die Planung von Kursen und Veranstaltungen einzubeziehen. Ergänzend sensibilisierte Pro Senectute ihre Kursleitenden für Hitze und Gesundheit, insbesondere im Umgang mit Menschen mit Vorerkrankungen. Die Checkliste steht auch anderen Organisationen und Anbietenden zur Verfügung.

Um unterschiedliche Bevölkerungsgruppen gezielt zu erreichen, arbeitet der Kanton mit Organisationen zusammen, die direkten Kontakt zu ihren jeweiligen Zielgruppen haben. Informationen und Materialien wurden 2026 beispielsweise über Kinderärztinnen und Kinderärzte, Spitex, Pro Senectute und Hebammen verbreitet. Für Gemeinden und weitere Partner stehen zudem Kommunikationsvorlagen und Materialien zur Verfügung, die sie über ihre eigenen Kanäle einsetzen können.

Gemeinsam mit Apotheken auf Hitze aufmerksam machen

Während der ersten Hitzeperiode im Juni lancierte das Amt für Gesundheitsvorsorge gemeinsam mit dem Apothekenverband St.Gallen/Appenzell kurzfristig eine Hitze-Aktion. Apotheken eignen sich dafür besonders, weil sie niederschwellig zugänglich sind und direkten Kontakt zur Bevölkerung haben – auch zu Menschen mit erhöhten gesundheitlichen Risiken.

Insgesamt beteiligten sich 42 der 51 Apotheken im Kanton St.Gallen an der Aktion. Sie erhielten Informationsmaterialien für unterschiedliche Zielgruppen, Kühltücher sowie Empfehlungen und Ideen für die Umsetzung vor Ort. Nach dem Start mit den Mitgliedsapotheken des Verbands wurde die Aktion im weiteren Verlauf des Sommers für alle interessierten Apotheken im Kanton geöffnet. Die Erfahrungen aus der Umsetzung werden im Herbst gemeinsam ausgewertet und fliessen in die weitere Planung ein.

Hitzeschutz in bestehenden Strukturen verankern

Nicht alle Massnahmen des Hitzeaktionsplans sind unmittelbar nach aussen sichtbar. Dazu gehört insbesondere die Arbeit daran, Hitzeschutz in bestehenden Strukturen und Prozessen zu verankern und Organisationen bei der Vorbereitung zu unterstützen.
Im Schulbereich wurden beispielsweise die Empfehlungen des Amts für Volksschulen zum Schulbau um das Thema Hitzeschutz ergänzt. Am 9. September findet zudem ein Workshop mit Vertretungen aus Schule, Verwaltung und Schulgesundheit statt. Gemeinsam wird diskutiert, welche Massnahmen und Voraussetzungen auf Ebene Kanton, Schulgemeinde, Schule und Unterricht für einen wirksamen Hitzeschutz erforderlich sind.

Auch in der Raumplanung wird Hitzeschutz langfristig verankert. Mit der Richtplananpassung 2025 wurde die Anpassung an den Klimawandel neu im kantonalen Richtplan aufgenommen. Zur Hitzeminderung tragen beispielsweise Grün- und Wasserflächen, Beschattung und weniger versiegelte Flächen bei. Nach dem Schwammstadt-Prinzip wird Regenwasser vor Ort gespeichert und für Pflanzen genutzt. Durch die Verdunstung entsteht zusätzliche Kühlung.

Gemeinden beim Hitzeschutz unterstützen

Städte und Gemeinden kennen die örtlichen Gegebenheiten und stehen über ihre Angebote und Strukturen mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in Kontakt. Damit können sie sowohl zur Information und Unterstützung der Bevölkerung als auch zur langfristigen Hitzeanpassung vor Ort beitragen.

Der Kanton stellt dafür Grundlagen, Beispiele und Unterstützungsangebote bereit. Neu können sich St.Galler Gemeinden beispielsweise bei Fragen zur Hitzeminderung von der Energieagentur St.Gallen beraten lassen. Darüber hinaus können Gemeinden im Rahmen der kantonalen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel Unterstützung bei der Entwicklung von Projekten für das Förderprogramm Adapt+ des Bundes erhalten. Gute Beispiele aus St.Galler Gemeinden werden zudem über den Klimakompass sichtbar gemacht.

Ein Netzwerk für den Hitzeschutz

Hitzeschutz ist eine Querschnittsaufgabe. Entsprechend breit ist das Netzwerk des kantonalen Hitzeaktionsplans. Gemeinden, Gesundheitsversorgung, Sozialbereich, Bildung, Sport und weitere Fachbereiche bringen unterschiedliche Kompetenzen, Erfahrungen und Zugänge zu ihren Zielgruppen ein. Dadurch können Bedürfnisse aus der Praxis aufgenommen, Informationen gezielt verbreitet und geeignete Massnahmen gemeinsam entwickelt werden.

Das Netzwerk wird laufend erweitert. Neu beteiligt sich beispielsweise INSOS St.Gallen-Appenzell Innerrhoden, der Branchenverband der sozialen Organisationen für Menschen mit Beeinträchtigung. Weitere Organisationen, die sich mit Hitzeschutz befassen oder ihre Zielgruppen besser auf Hitzeperioden vorbereiten möchten, können sich beim Amt für Gesundheitsvorsorge melden.

Auch der fachliche Austausch über die Kantonsgrenzen hinaus ist Bestandteil der Arbeit. Der Kanton St.Gallen bringt seine Erfahrungen in nationale und interkantonale Fachgefässe ein und berücksichtigt Erkenntnisse und Erfahrungen anderer Kantone bei der weiteren Planung und Umsetzung.

Erfahrungen auswerten und weiterentwickeln

Die Erfahrungen aus diesem Sommer werden gemeinsam mit den beteiligten Partnern ausgewertet. Dabei wird geprüft, welche Massnahmen sich in der Praxis bewährt haben, wo weiterer Bedarf besteht und was angepasst oder weitergeführt werden soll.
Auch die Datengrundlagen werden weiterentwickelt. Gemeinsam mit der Kindernotfallpraxis des Ostschweizer Kinderspitals wurde im Sommer 2026 pilotmässig erfasst, wie häufig hitzebedingte telefonische Anfragen auftreten. Die Ergebnisse sollen helfen einzuschätzen, ob eine systematische Erfassung sinnvoll ist und welche Erkenntnisse daraus für den Hitzeschutz gewonnen werden können.

Wirksamer Hitzeschutz beginnt nicht erst, wenn es heiss wird. Entscheidend ist, dass Bevölkerung, Fachpersonen, Institutionen und Gemeinden vorbereitet sind und wissen, welche Massnahmen in ihrem jeweiligen Bereich sinnvoll sind.

Informationen und Materialien zum Hitzeschutz

Auf hitzeplan-sg.ch finden Bevölkerung, Gemeinden, Fachpersonen, Fachorganisationen und weitere Partner Informationen, Empfehlungen und Hilfsmittel zum Hitzeschutz.

Für Gemeinden und weitere Multiplikatoren stehen zusätzlich Kommunikationsvorlagen und Materialien zur Verfügung, die sie zur Information ihrer Zielgruppen einsetzen können. Alle Materialien stehen online zum Download bereit. Broschüren und Flyer können zudem kostenlos in gedruckter Form bestellt werden.

Hitzeplan Kanton St.Gallen