«Ich kann das. Ich geh zu Fuss»

Selbstständig unterwegs – der Kindergartenweg als Lernraum

Der Kindergartenweg ist für Kinder ein wichtiger Schritt in die Selbstständigkeit. Die Kampagne «Ich kann das. Ich geh zu Fuss» unterstützt sie dabei, diesen Weg sicher, selbstständig und mit Freude zu entdecken. Wie die Umsetzung aussehen kann, zeigt ein Erfahrungsbericht aus der Gemeinde Flawil.

Ein erster Schritt in die Eigenständigkeit

Der Weg in den Kindergarten ist für viele Kinder eine der ersten regelmässigen Strecken, die sie selbstständig bewältigen. Genau hier setzt die Kampagne «Ich kann das. Ich geh zu Fuss» an. Sie unterstützt Kinder dabei, ihren Schulweg zu Fuss zu entdecken – als sicheren, lehrreichen und stärkenden Teil ihres Alltags.

Dabei geht es um weit mehr als das Ankommen im Kindergarten: Unterwegs sammeln Kinder eigene Erfahrungen, treffen andere Kinder, lernen ihre Umgebung kennen und gewinnen Schritt für Schritt an Sicherheit. Diese täglichen Erlebnisse prägen und stärken das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Warum der Schulweg so wichtig ist

Kinder erleben den Strassenverkehr anders als Erwachsene und müssen den Umgang damit erst lernen. Der Kindergartenweg bietet dafür einen idealen Rahmen. Gleichzeitig leistet er einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit: Regelmässige Bewegung stärkt den Körper, fördert die motorische Entwicklung und unterstützt die Konzentrationsfähigkeit. Kinder, die zu Fuss unterwegs sind, starten oft ausgeglichener und aufmerksamer in den Tag.

So wird der Schulweg zu einem täglichen Lern- und Bewegungsraum, der körperliche, soziale und kognitive Fähigkeiten gleichermassen fördert.

Wie die Kampagne wirkt

Die Kampagne setzt bewusst bei der Motivation der Kinder an. Mit spielerischen Elementen und positiven Anreizen werden sie dazu ermutigt, den Weg selbst zu gehen und stolz auf ihre Leistung zu sein.

Eltern, Lehrpersonen und Verkehrsinstruktion begleiten diesen Prozess. Sie geben Sicherheit und stärken das Vertrauen in die Kinder. Gleichzeitig entsteht ein gemeinsames Bewusstsein dafür, wie wichtig selbstständige Mobilität ist.

Ein weiterer Effekt zeigt sich im Umfeld der Schulen: Weniger Elterntaxis sorgen für mehr Sicherheit und Ruhe rund um die Kindergärten – ein Gewinn für alle.

Erfahrungen aus der Gemeinde Flawil

In der Gemeinde Flawil wurde die Kampagne bereits erfolgreich umgesetzt. Die Rückmeldungen zeigen, dass sie bei Kindern, Eltern und Lehrpersonen gleichermassen positive Impulse auslöst.

Kinder gehen motivierter zu Fuss, bewegen sich mehr und erleben ihren Alltag bewusster. Lehrpersonen nehmen die Kinder als selbstständiger und häufig auch konzentrierter wahr. Eltern setzen sich intensiver mit dem Schulweg auseinander und gewinnen Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Kinder.

Interview mit Ueli Siegenthaler, Schulleiter Kindergarten Flawil

Welche Schritte waren für die Umsetzung besonders wichtig?
Der wichtigste Schritt war die Terminplanung für das Winterhalbjahr: Was kommt wann? Wer muss wann informiert werden? Die frühzeitige Planung ist entscheidend – es soll für niemanden stressig werden. Von der Elterninformation per Flyer und PUPIL über das Anbringen der Banderolen bis zur Ordenübergabe gibt es einige Termine zu koordinieren und abzusprechen. Eine gute Agenda und die rechtzeitige Information der Lehrpersonen sind zentral.

Wie haben die Kinder auf die Kampagne reagiert? Gab es besondere Erlebnisse oder Entwicklungen?
Highlight sind unbestritten die reflektierenden Mützen. Die kommen bei den Kindern sehr gut an. Aber auch die Orden-Übergabe durch die Polizisten war denkwürdig. Die stolzen Gesichter der Kinder waren für alle Beteiligten eine grosse Freude. Das Bild, wenn eine Kinderschar mit den Mützen zum Kindergarten kommt oder wieder nach Hause geht, fällt richtig auf. Die Sichtbarkeit mit den Mützen ist ausgezeichnet. Auch wenn die Mützen trotz Namensschild in der Garderobe immer wieder verwechselt werden, ist das richtige Zuordnen jedes Mal ein Anlass, das Verhalten auf dem Weg zu thematisieren und zu betonen, wie wichtig es ist, gesehen zu werden.

Welche Rückmeldungen haben Sie von Lehrpersonen und Eltern erhalten?
Die Lehrpersonen haben die Kampagne sehr gut mitgetragen. Das Einbetten in den Unterricht ist überall gut gelungen. Toppen würde das Belohnungsritual im Unterricht noch ein eingängiges Schulweglied. Wer so eins hat, darf sich gerne melden.

Wie schätzen Sie den Aufwand für Schulen ein, die die Kampagne umsetzen möchten?
Der Aufwand lohnt sich allemal. Die Unterstützung durch das Kampagnenmaterial hilft sehr. Der Support von Daniel Schöbi (Projektleiter) war ausgezeichnet. Seine motivierende, unkomplizierte und überzeugende Art hat sehr geholfen.

Würden Sie anderen Schulen eine Teilnahme empfehlen – und warum?
Die Kampagne «Ich kann das. Ich geh zu Fuss» kann ich sehr weiterempfehlen. Die Sensibilisierung für das Thema ist wertvoll, und die Kampagne ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, das Thema Elterntaxis anzusprechen. Von der Ankündigung am Elternabend bis zum abschliessenden Bericht in der Zeitung ergeben sich viele Möglichkeiten, das Thema aufzunehmen. Zudem leistet «Ich kann das. Ich geh zu Fuss» in der dunklen Jahreszeit einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit – nicht zuletzt dank der gut sichtbaren reflektierenden Mützen.

Angebot für St.Galler Gemeinden und Schulen

Das Amt für Gesundheitsvorsorge unterstützt die St.Galler Gemeinden finanziell bei der Initiierung der Schulwegkampagne:

Für weitere Informationen, bei Fragen oder Interesse an einer Umsetzung können Sie sich unverbindlich bei Daniel Schöbi, Projektleiter der Schulwegkampagne melden (daniel.schoebi@mobilitaetsloesungen.ch / Tel. 078 711 88 88).

Weitere Informationen zur Umsetzung der Schulwegkampagne finden Sie hier: